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PIZZA AMORE

Die Anmut einer Stuttgarter Romanze
(von Matthias C. Müller, erschienen in den "Stuttgarter Nachrichten" vom 24.01.2006)

Kufife - der Klang dieser drei Silben mag an die Chiffre einer Geheimsprache erinnern oder an die Zauberformel eines Märchens. In Wahrheit ist Kufife die Abkürzung für das von Studenten organisierte Kurzfilmfestival der Hochschule der Medien Stuttgart.

Das eintägige Fest, nun in der siebten Auflage, lässt sich umschreiben als international offene Kurzfilmmeisterschaften Stuttgart und bietet professionellen Regisseuren die Chance, ihre Werke zu zeigen. Dabei ist weder ein Thema noch ein Genre festgelegt. Ob Experimental- oder Werbefilm, Musikclip oder Computeranimation, jede Produktion bis etwa 15 Minuten Länge ist willkommen. Auch diese Genrevielfalt sorgt für anregende Kurzweiligkeit. Dieses Jahr bewarben sich 200 meist deutsche Filmemacher um die Wettbewerbsteilnahme, dabei waren aber auch Produktionen aus Argentinien und Australien.

Die Auswahl traf die Kufife-Organisationscrew, wiederum also Studierende. Auffällig und womöglich symptomatisch für unsere Zeit war, wie häufig die Filme bedrohte Kinderwelten zeigten oder eindrucksvoll davon erzählten, wie Kinder in Fantasiewelten abdriften - etwa in Anke Henschels zweitplaziertem Werk "Stella". Bemerkenswert aber auch, wie in animierten Filmen teils ernst, teils ironisch Fantasiewesen oder Tiere von äußeren Mächten bedroht und manipuliert werden - so auch in Christian Kickenweitz' drittplaziertem Film "Bauch, Beine, Bürzel", in dem eine Gans versucht, dem Schlachtermesser zu entkommen.

Auf den ersten Platz wählten die Zuschauer die formal konventionell erzählte Romanze "Pizza Amore" der Lokalmatadoren Achim Wendel und Christian Krämer. Der in Stuttgart gedrehte Streifen erzählt, wie ein junger Mann von seiner Freundin verlassen wird, um anschließend ein absurd-komisches, neuamouröses Abenteuer mit einer Pizza-Ausfahrerin zu erleben. Trotz der Kürze des Films gelingt es den Filmemachern, das Gefühl epischer Dauer zu wecken; die bravouröse, ins Dramatisch-Elegische fließende Musik von Peter Gromer verleiht den Bildern darüber hinaus zwingende Suggestivität.



Stuttgarter Nachrichten: Die Anmut einer Stuttgarter Romanze




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